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Wasserwacht Oberbayern: Mit der „virtuellen Wachstation“ in die Zukunft der Wasserrettung

Jährlich ertrinken in Bayern zwischen 60 und 80 Menschen. „Diese Zahl ist leider immer noch viel zu hoch“, betont Benjamin Miskowitsch, Vorsitzender der Wasserwacht Oberbayern. Um diesem Trend entgegenzuwirken, schlägt der Bezirksverband nun innovative Wege ein. Das Herzstück der neuen Strategie: die virtuelle Wachstation.


Wasserwacht 4.0: KI und Drohnen im Einsatz
Das Projekt ist Teil des Digitalisierungskonzepts „Wasserwacht Oberbayern 4.0“. Jürgen Macha, Technischer Leiter, sieht darin die Chance auf eine flächendeckende Absicherung: „Mit diesem Konzept können wir theoretisch an jedem Gewässer in Oberbayern Präsenz zeigen.“

Korbinian Mayr, 2. stellvertretender Technischer Leiter, erklärt die Technik hinter den autarken „Wach-Kiosken“:
• KI-Überwachung: Hochmoderne Kamerasysteme erkennen Notsituationen im Wasser automatisch.
• Rettungsdrohnen: Im Ernstfall startet direkt am Kiosk eine Such- und Rettungsdrohne.
• Interaktive Hilfe: Badegäste können per Videochat direkt mit Einsatzkräften kommunizieren.
• Automatisierte Erstversorgung: Ein integrierter Automat gibt Verbandsmaterial wie Pflaster und Coolpacks aus.

Besonders innovativ: Der Wachdienst kann ortsunabhängig geleistet werden. „Wir haben die Möglichkeit, die Überwachung bequem aus dem Homeoffice durchzuführen“, so Macha. Dabei greift man auf die positiven Erfahrungen aus vorangegangenen digitalen Pilotprojekten zurück.

Ausbildung per E-Learning: Neue Zielgruppen im Visier
Auch in der Ausbildung setzt der Bezirksverband auf Fortschritt. Das bestehende E-Learning für Rettungsschwimmer wird um das Modul „Virtueller Wachdienst“ ergänzt. Robert Hoffmann, 1. stellvertretender Technischer Leiter, erklärt: „Hier lernen unsere Einsatzkräfte den Umgang mit der Software und die Steuerung der Drohnen.“ Durch dieses niederschwellige Angebot hofft die Wasserwacht, auch technikaffine Menschen zu erreichen, die bisher noch kein Mitglied sind.


Die Jugendleitung begrüßt diesen Schritt ausdrücklich. Carmen Kornalik sowie ihre Stellvertreterinnen Lisa Wünsche und Melanie Röttl sehen darin eine enorme Chance: „Digitalisierung ist Teil der Lebensrealität junger Menschen. Mit der virtuellen Wachstation machen wir das Ehrenamt für die nächste Generation attraktiv.“


Starke Partner und solide Finanzierung
Die technische Realisierung war laut Heinz Eger, 2. stellvertretender Vorsitzender, die größte Hürde. Auf dem Wasserrettungssymposium 2025 wurden jedoch entscheidende Weichen gestellt. Dank Kooperationen mit einem oberbayerischen Drohnenhersteller und einem Südtiroler KI-Spezialisten konnte das System für den Einsatz an freien Gewässern optimiert werden.


Die Finanzierung steht ebenfalls auf festen Füßen. Sabine Mehlhart, 1. stellvertretende Vorsitzende, berichtet: „Die Anschaffung wird durch den Digitalisierungsfonds des Freistaats Bayern gefördert. Die laufenden Betriebskosten decken wir über den Verkauf des Verbandsmaterials am Kiosk.“
Ein Modell für ganz Deutschland?


Die Resonanz ist bereits jetzt enorm. Benjamin Miskowitsch ist bereit, die oberbayerische Expertise auch mit anderen Bezirks- und Landesverbänden zu teilen – etwa über Franchise-Modelle. „Wir haben bereits zahlreiche Anfragen. Unser Ziel ist eine flächendeckende Strategie gegen den Ertrinkungstod.“
Interessierte können sich ab sofort für die neuen Kurse anmelden oder Anträge für eine virtuelle Wachstation an ihrem Gewässer stellen.


Sabine Mehlhart (KV Rosenheim)